Neuschnee im Mai
Man würde meinen, im Mai sei der Sommer im Anmarsch, doch es erwartet uns in den nächsten Tagen eine für die Jahreszeit beachtliche Menge an Neuschnee.
In der Nacht von Mittwoch, 13. Mai, auf Donnerstag beginnt es oberhalb von 1600 m zu schneien. Bis Donnerstag Nacht erwarten wir großflächig bis zu 15 cm Schnee. In der Ortlergruppe, den Dolomiten und im Nordosten des Landes (Ahrntal, Rieserfernergruppe und Pfunderer Berge) werden sogar bis zu 30 cm Neuschnee erwartet, lokal, in der Höhe auch mehr. Im Laufe des Niederschlagsereignisses sinkt die Schneefallgrenze etwas ab. Zwischen Freitag Nachmittag und Samstag werden weitere 10 cm bis 15 cm Neuschnee erwartet.



Wie wirkt sich dieser Neuschnee nun auf die Lawinengefahr aus?
Wie so oft im Frühling, ist die Schneedecke je nach Höhenlage und Exposition sehr unterschiedlich und die Einschätzung der Lawinensituation demnach gar nicht so einfach. Zusätzlich muss auch beachtet werden, dass der Lawinenwarndienst zurzeit nur äußerst wenige Rückmeldungen aus dem Gelände bekommt, wodurch die Situation vor Ort besonders gründlich beurteilt werden muss. (Besonders in diesen Rückmeldungsarmen Zeiten freuen wir uns über jede neue Rückmeldung über SNOBS. ;-))
Unterhalb von 2000 m fällt der Schnee Großteils auf aperen Boden. Hier kann bei größeren Schneemengen die ein oder andere kleinere Gleitschneelawine nicht ganz ausgeschlossen werden.
In Hohen Lagen, also zwischen 2000 m und 3000 m fällt der Neuschnee Großteils auf eine günstige Schneeoberfläche. Mit teilweise mäßigem Wind aus wechselnden Richtungen können sich ein paar frische, ehr kleine Triebschneepakete bilden, auf die man achten sollte.

Im Hochgebirge, also über 3000 m fällt der Neuschnee, besonders dort wo es in den letzten Tagen etwas Neuschnee gegeben hat, teilweise auf eine weiche Schneeoberfläche. Hier gilt es umso mehr, frische Triebschneepakete zu beachten. Aufgrund der größeren Schneemengen in der Höhe, besonders im Nordosten des Landes, in den Dolomiten und in der Ortlergruppe, können Lawinen im Triebschnee auch mittlere Größe erreichen.

Nicht zu vergessen ist, dass Nordseitig im Hochgebirge weiterhin langlebige Schwachschichten an der Basis der Schneedecke schlummern, auch wenn sich diese in den letzten Wochen zunehmend stabilisiert haben. Durch die große Zusatzbelastung möglicher Lawinen in oberflächennahen Schichten, können diese Schwachschichten sehr vereinzelt gestört werden und Lawinen können ein größeres Ausmaß erreichen.
Zudem können durch Neuschnee und auffrischenden Wind am Samstag weitere frische Triebschneepakete entstehen.
Am Sonntag steigt die Nullgradgrenze wieder etwas an und es wird wieder sonnig. Besonders in mittleren Lagen wird der Neuschnee sehr schnell schmelzen. Weiter in der Höhe ist mit der Sonneneinstrahlung auch mit der ein oder anderen Lockerschneelawine zu rechnen.
