Vorsicht vor Nassschnee und vor langlebigen Schwachschichten (Altschneeproblem) - Lawinenunfall bei der Berglhütte (Trafoi) am 11.04.2026
Die Gefahr vor Nassschneelawinen unterliegt in den nächsten Tagen einem Tagesgang: Es empfiehlt sich früh zu starten und früh zurück zu sein. In hohen Lagen schlummern weiterhin latente Schwachschichten in der Schneedecke.
Nach dem Niederschlag vom 13. und 14. März befinden wir uns in einer Frühjahrssituation: Die Lawinengefahr ändert sich im Tagesverlauf und hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, die die Situation schnell ändern können (heitere oder bedeckte Nächte, Veränderung der Bewölkung und Temperaturanstieg im Laufe des Tages, Höhe der Bewölkung, Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und vieles mehr).
Vereinzelt sind an West-, Nord- und Osthängen Schwachschichten in der Schneedecke noch störanfällig: Lawinen können zwar nur an wenigen Stellen ausgelöst werden, können aber im Falle einer Auslösung beachtliche Größen erreichen.
Auf der harten Schneeoberfläche herrscht am Morgen in steileren Hängen Abrutschgefahr. Die Schneedecke ist kleinräumig sehr unterschiedlich und in mittleren Lagen liegt auf Sonnenhängen kaum mehr Schnee.



Rückblick
Letzten Freitag (10. April) hat eine westliche Anströmung am Alpenhauptkamm etwas Neuschnee gebracht. Der Wind wehte dabei mäßig bis stark. In den Hauptniederschlagsgebieten waren die frischen Triebschneepakete in der Höhe vorübergehend störanfällig.
Seit Montag (13. April) hat eine südliche Anströmung besonders in den Südstaugebieten bis zu 20 cm Neuschnee gebracht, lokal im Ultental bis zu 30 cm. Begleitet war dieses Ereignis von mäßig bis starkem Südwind.

Während der vergangenen Niederschläge hat es teilweise bis auf etwa 2500 m hinauf geregnet. Oberhalb konnten sich mit dem Wind frische, störanfällige Triebschneepakete bilden, unterhalb wurde die Schneedecke durch den Regen durchnässt und wir hatten es mit einem massiven Nassschneeproblem zu tun. Mit den milden Temperaturen und der hohen Luftfeuchte konnten sich die Triebschneepakete allerdings recht schnell stabilisieren.

Es folgen Rückmeldungen und Beobachtungen aus dem Gelände:




Vorhersage
Bis Donnerstag liegt die Nullgradgrenze auf etwa 3000 m, die Lawinengefahr unterliegt einem Tagesgang. Laut aktuellen Vorhersagen sind die Nächte teilweise heiter und dementsprechend sind die Bedingungen für Skitouren am Morgen günstig.
Am Sonntag, 19. April werden dann bis auf 2400 m Schneefälle erwartet. Anfang der nächsten Woche wird es wieder etwas frischer und die Nullgradgrenze sinkt auf 2000 m. Infolgedessen wird sich das Nassschneeproblem etwas beruhigen.

Lawinenunfall bei der Berglhütte, 11.04.2026
Eine Gruppe von vier Skitourengehern war in der Nähe der Berglhütte auf der Abfahrt vom Ortler, als sie von einer nassen Schneebrettlawine erfasst wurden. Zum Glück blieben alle unverletzt an der Schneeoberfläche liegen und konnten selbständig ins Tal fahren.
Es handelt sich um eine kleine (Größe 1), nasse Schneebrettlawine, die an einem Nordosthang auf ca. 2200 m in steilem Gelände (31° bis 35°) in der Basis der Schneedecke angebrochen war.