Die Nullgradgrenze steigt - Tagesgang der Lawinengefahr

 Die Gefahr vor Nassschneelawinen ist in den nächsten Tagen von der Tageszeit abhängig: Man sollte für Skitouren früh starten und früh zurück sein. Im Hochgebirge sind persistente Schwachschichten eine latente Gefahr.

Eine Hochdruckwetterlage sorgt im ganzen Land für sonniges Wetter und milde Temperaturen. Die Nullgradgrenze steigt heute Nachmittag, 23. April, auf fast 3000 m, wodurch sich eine typisch frühlingshafte Situation einstellt: Es ist in solchen Situationen wichtig, die Wetterdaten genau im Blick zu halten und möglichst früh zu starten.

Die persistenten Schwachschichten sind in West-, Nord- und Osthängen vereinzelt störanfällig: Lawinen können zwar nur sehr vereinzelt mit großer Zusatzbelastung von Wintersportler:innen ausgelöst werden, dann aber im ungünstigen Fall eine beachtliche Größe erreichen.

Auf der harten Schneeoberfläche herrscht im steileren Gelände Absturzgefahr.

Kurzer Rückblick

Vor dem letzten Wochenende waren die Nächte klar, wodurch die Bedingungen am Morgen zunächst gut waren. Im Laufe des Tages stieg die Lawinengefahr etwas an. Die milden Temperaturen haben in mittleren Lagen zu einer raschen Schneeschmelze geführt.

Gute Bedingungen, um bei der Falbenairspitze in Langtaufers Skizufahren. Bis etwa 2800 m fand man besten Firn, an den Osthängen war der Schnee bereits gegen 10.00 Uhr weich. (Foto: Josef Plangger, 17.04.2026)
Am Vormittag gute Bedingungen unterhalb der Texelspitze. In Nordhängen im Gipfelbereich konnte man noch etwas Pulver finden, darunter schönen Firn. (Foto: Martin Abler, 18.04.2026)
In den Böden von Lazaun im Schnalstal war die Schneedecke am Vormittag sehr gut durchgefrohren. (Foto: Ludwig Gorfer, 22.04.2026)
Am Schneemessfeld in Melag in Langtaufers auf 1915 m ist es schon aper.
Bei der Wurmaulspitze in den Pfunderer Bergen ist südseitig bis auf knappe 3000 m fast kein Schnee mehr vorhanden: In Rinnen und Mulden findet man noch die letzten Schneereste. (Florian Leitner, 21.04.2026)

Am Sonntag, 19. April, gab es im ganzen Land schauerartige Schneefälle: Oberhalb von 2400 m fielen lokal bis zu 10 cm Neuschnee, vor allem am Alpenhauptkamm. Feuchte Luftmassen und Wolken führten bereits am Morgen zu einem Nassschneeproblem.

In den darauffolgenden Tagen sorgten klare Nächte für gute Bedingungen am Vormittag, nur am Alpenhauptkamm verhinderten Wolken eine nächtliche Ausstrahlung der Schneedecke.

Aus dem Gelände bekamen wir vereinzelte Rückmeldungen:

Am Langgrubjoch im Schnalstal war die Schneedecke über Nacht gefrohren und war am Morgen Tragfähig. Im Bild erkennt man mittlere Lawinen (Größe 2). (Foto: Ludwig Gorfer, 20.04.2026)
Große (Größe 3), spontane Nassschneelawine an einem Nordhang auf ca. 2300 m oberhalb des Grödner Jochs.(Foto: Forststation Stern-Abtei, 16.04.2026).
Mittlere, spontane Nassschneelawine an einem Nordwesthang auf ca. 2350 m im Mittagstal (Sellagruppe). (Foto: Forststation Stern-Abtei, 16.04.2026).
Mittlere (Größe 2) Nassschneelawine in einem Osthang bei der Falbenairspitze in Langtuafers. (Josef Plangger, 17.04.2026)
Mittlere (Größe 2) Nassschneelawine an einem Nordosthang auf ca. 2500 m bei der Wilden Kreuzspitze in den Pfunderer Bergen. (Foto: Helmuth Gschnitzer, 17.04.2026)

Vorhersage

Bis Anfang nächster Woche führt ein Hoch zu milden Temperaturen und frühlingshaften Bedingungen mit einem Tagesgang in der Lawinengefahr. Klare und trockene Nächten führen vormittags zu guten Bedingungen. Bei feuchten, bedeckte Nächten hingegen kann die Schneedecke nur schlecht auskühlen und die Gefahr von Nassschneelawinen herrscht bereits am Morgen. Neuschnee ist in den nächsten Tagen keiner in Sicht.

Vorhersage der akkumulierten Neuschneesumme für das Ahrntal auf 2233 m. (Quello: Geosphere Austria)

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