Der frische Triebschnee und das Altschneeproblem verlangen weiterhin Vorsicht - Kurze Unfallanalyse des Lawinenunfalls an der Marteller Hütte vom 15.03.2026
Die Rückmeldungen aus dem Gelände bestätigen, dass die Lawinengefahr vom nach wie vor vorhandenen Altschneeproblem und vom frischen Triebschnee ausgeht. Touren erfordern Erfahrung in der Einschätzung der Lawinengefahr und eine vorsichtige Routenwahl.
Während und nach dem Schneefall vom letzten Wochenende wehte der Wind aus wechselnden Richtungen und führte in allen Expositionen zur Bildung störungsanfälliger Triebschneeansammlungen. Die Gefahrenstellen befinden sich vor allem in Mulden, Rinnen und hinter Geländekanten oberhalb von 2000 m und nehmen mit der Höhe zu. Lawinen im Triebschnee können mittlere Größe (Größe 2) erreichen.
Es liegen uns Meldungen über Risse in der Schneedecke und Setzungsgeräusche vor, die bestätigen, dass die Lawinensituation teils heimtückisch ist. Auch die jüngsten Lawinenunfälle an der Punta San Matteo in der Ortler-Cevedale-Gruppe und am Presena-Gletscher (leider mit tödlichem Ausgang) in der Presanella-Gruppe bestätigen die heikle Lawinensituation.
Das Altschneeproblem stellt nach wie vor eine latente Gefahr dar, wir sprechen weiterhin von einer Situation „geringe Wahrscheinlichkeit – große Konsequenz“: Lawinen können an wenigen Stellen ausgelöst werden, können aber groß werden. Ein paar Rückmeldungen über große Lawinen, bestätigen dies.
Kurzer Rückblick

Am Samstag, 13.03., und Sonntag, 14.03., brachte eine Südanströmung bis zu 40 cm Neuschnee, gebietsweise sogar mehr. Betroffen waren vor allem die typischen Südstaugebiete. Die Schneefälle waren von mäßigem bis starkem Südwestwind begleitet, wodurch sich störungsanfälliger Triebschnee bildete. Dieser hat sich auf einer ungünstigen Altschneeoberfläche abgelagert, teilweise auf einer kantig aufgebauten Oberfläche, zum Teil aber auch auf Oberflächenreif. In den folgenden Tagen wehte der Wind dann teils stark aus Nord und Ost: Somit sind die Gefahrenstellen in den Hauptniederschlagsgebieten derzeit an allen Expositionen vorhanden.


Es folgen ein paar Lawinenmeldungen aus Südtirols Bergen:




Ausblick
Am kommenden Wochenende fällt lokal etwas Schnee, danach sind keine nennenswerten Schneefälle mehr zu erwarten. Der Triebschnee stabilisiert sich allmählich, das Altschneeproblem ist weiterhin latent vorhanden und zu beachten.

Lawinenunfall bei der Marteller Hütte, 15.03.2026
Ein Skitourengeher befand sich in der Abfahrt an einem Hang unterhalb der Marteller Hütte, als er von einer Schneebrettlawine erfasst wurde. Der Skitourengeher wurde von der Lawine ca. 10 m weit mitgerissen, wurde aber nicht verschütten und blieb unverletzt. Er konnte selbstständig ins Tal abfahren.
Es handelte sich um eine kleine Schneebrettlawine (Größe 1), die sich an einem nordwestexponierten Hang auf ca. 2600 m in 30° und 35° steilem Gelände gelöst hatte.