Gebietsweise mäßige Lawinengefahr und wenig Schnee

 Die Bedingungen für Skitouren sind aufgrund der dürftigen Schneelage weiterhin ungünstig. Im Talboden liegt kein oder nur sehr wenig Schnee, in den Gebieten am Alpenhauptkamm mit etwas mehr Schnee in der Höhe ist die Schneedecke oft instabil und muss vorsichtig bewertet werden. In diesen Gebieten unterstreichen Setzungsgeräusche (Whumm - Geräusche), Risse in der Schneedecke, Schneedeckenstabilitätstests sowie meist kleine rückgemeldete Lawinen den schlechten Schneedeckenaufbau.

In mittleren Lagen liegt meist nur sehr wenig Schnee und man muss sehr vorsichtig unterwegs sein, will man die eigene Ausrüstung nicht beschädigen. Ein Bild aus den Sonnenhängen oberhalb von Melag in Langtaufers. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 20.01.2026)
Oberhalb von 2500 m ca. wird die Schneelage allmählich besser. Aufgrund der geringen Schneemächtigkeit gilt es aber mit Bedacht unterwegs zu sein, da Steine teilweise nur knapp eingeschneit sind; häufige Alarmzeichen weißen auf den schlechten Schneedeckenaufbau hin. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 20.01.2026)
Auch im Faltschnaltal bei Pfelders im Passeiertal liegt nur sehr wenig Schnee. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 15.01.2026)

Die Triebschneepakete sind nach wie vor störungsanfällig und die Schneedeckenbasis ist oft schwach. Sie besteht häufig aus großen Becherkristallen. Gefahrenstellen findet man dort, wo sich Triebschnee abgelagert hat, also v.a. in Schattenhängen oberhalb von ca. 2200 m in Rinnen, Mulden und hinter Geländekanten.

In den schneereicheren Gebieten sind die Gefahrenstellen schwierig zu erkennen, deshalb gehen wir dort von einem Altschneeproblem aus. Außerdem gilt es in der Höhe auch steile Sonnenhänge als kritisch zu betrachten, wie Schneedeckenuntersuchungen bestätigt haben.

In der Nähe des Äußeren Nockenkopfes in Rojen wurden diese kleineren Schneebrettlawinen in nordwest exponiertem Gelände fernausgelöst. (Foto: Pierre Kirschbaum, 15.01.2026)
Foto des Hanges 30 Minuten vorher. Die Geländerücken sind abgeblasen, für das geschulte Auge sind die Triebschneeablagerungen und Windzeichen erkennbar. Im Aufstieg wurden viele Setzungsgeräusche (Whumm) wahrgenommen. (Foto: Pierre Kirschbaum, 15.01.2026)
Eine kleine Schneebrettlawine in einem Schattenhang wurde uns auch aus von der Henne in Weißenbach im Ahrntal gemeldet. (Foto: Simon Messner, 17.01.2026)

In den letzten Tagen haben uns auch einige Rückmeldungen von Oberflächenreif erreicht, die sobald sie eingeschneit sind, eine gefährliche Schwachschicht darstellen können.

Schneedeckenuntersuchung auf dem Watles in der Sesvenna Gruppe auf 2460 m in einem nach Osten exponierten Hang. Die Schneehöhe ist überdurchschnittlich, da im Windschatten gegraben wurde. Die Basis der Schneedecke besteht aus großen Becherkristallen und ist schwach. An der Oberfläche findet man Triebschnee aus kleinen runden Kristallen, der auf einer Schwachschicht aus Becherkristallen und kantigen Kristallen lagert. Beim Stabilitätstest ECT konnte beim 10. Schlag ein Bruch mit Fortpflanzung initiiert werden. Dies bestätigt den schwachen Schneedeckenaufbau und die Störungsanfälligkeit der Schneedecke. An der Oberfläche findet man etwas Neuschnee und Oberflächenreif, dieser könnte nach den nächsten Schneefällen eine Schwachschicht darstellen. (Quelle: Forststation Mals, 15.01.2026)
Auch in einem der Sonne exponierten Südwesthang trifft man auf eine ähnliche Situation mit einem schwachen Schneedeckenaufbau. In der Schneedeckenbasis findet man eine Abfolge von Schmelzharschkrusten und Schichten aus kantig abgerundeten Kristallen sowie Becherkristallen. An der Oberfläche lagert auch hier Triebschnee auf einer weichen Schicht aus kantig abgerundeten Kristallen und Becherkristallen. Beim Stabilitätstest wurde ein beim 11. Schlag ein Bruch initiiert und fortgepflanzt (ECTP). (Quelle: Lawinenwarndienst Südtirol, 20.01.2026))

Lawinen können vereinzelt mittlere Größe erreichen, es ist aber immer noch wichtig die Absturz- und Mitreißgefahr zu beachten, die von Lawinen ausgeht. Natürlich muss man auch weiterhin bedenken, dass aufgrund der unterdurchschnittlichen Schneelage Verletzungsgefahr durch kaum oder nur knapp eingeschneite Steine besteht.

In den Dolomiten, wie hier im Bild am Grödner Joch liegt sehr wenig Schnee, Sonnenhänge sind oft sogar aper. (Foto: RAS , 20.01.2026)
Auch im schattigen Gelände liegt nur wenig Schnee. Im Bild das Gelände um die Roa Scharte in der Puez Gruppe. (Foto: Ewald Beikircher, 15.01.2026)

Kurzer Rückblick

Am 8. und 9. Jänner sind in den Gebieten entlang des Alpenhauptkammes zw. 10 und 25 cm Schnee gefallen, lokal auch etwas mehr. Der Schneefall wurde von starkem Wind aus Nordwest begleitet. Damit wurde der Neuschnee und der kantig aufgebaute, lockere Altschnee umfangreich verfrachtet und störungsanfällige Triebschneeansammlungen haben sich gebildet.

Schneehöhendifferenz zwischen Samstag 10.01.2026, 1:00 Uhr und Donnerstag 8.01.2026 1:00 Uhr. (Fonte: Geosphere Austria)

Aussicht

Ab Freitagnachmittag 23. Jänner und während des darauffolgenden Wochenendes sorgt eine südliche Anströmung für etwas Schneefall in Südtirol. Die genauen Neuschneemengen sind noch etwas unsicher, größere Mengen sind jedoch nicht in Sicht. Die aktuellsten Prognosen gibt es auf Lawinen.Report.

Neuschneeprognose für die Texelgruppe auf 2517 m. (Quelle: Geosphere Austria)

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