Die Triebschneeansammlungen müssen vorsichtig beurteilt werden

 Ab heute Nachmittag, Donnerstag 8. Jänner, bringt eine Störung aus Nordwest am Alpenhauptkamm und in der Ortlergruppe etwas Neuschnee. Mehr als 5 bis 15 cm, lokal etwas mehr, sind jedoch nicht zu erwarten, der Wind weht dabei teilweise stark bis stürmisch.

Prognostizierte 48 h Neuschneesumme für Donnerstag 8. und Freitag 9. Jänner 2025. (Quelle: Geosphere Austria).

In den vom Neuschnee betroffenen Gebieten bilden sich an allen Expositionen störungsanfällige, aber meist kleine Triebschneeansammlungen, dies v.a. in der Nähe von Kämmen, in Rinnen und Mulden und hinter Geländekanten.

Der Triebschnee wird in Schattenhängen oberhalb von ca. 2200 m auf einer Altschneeoberfläche aus kantigen Kristallen abgelagert, während er in Südhängen oberhalb von etwa 2400 m, dort wo überhaupt Schnee liegt, auf einer Schmelzharschkruste zum liegen kommt.

Mögliche Lawinen sind meist eher klein, können vereinzelt jedoch mittlere Größe erreichen. Außerdem gilt es besonders die Absturz- und Mitreißgefahr zu bedenken. Die Bedingungen für Skitouren sind aufgrund des wenigen Schnees nach wie vor ungünstig: Weiterhin muss man die Gefahr berücksichtigen, die von nur knapp eingeschneiten Steinen ausgeht.

Wegen des wenigen Schnees heißt es besonders in mittleren Lagen oder wie hier im Wald immer wieder Ski tragen. Im Bild der Aufstieg auf den Speikboden von Weißenbach aus. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 25.12.2025).
An der Beobachterstation am Nevesstausee auf 1860 m lag seit Messbeginn vor 36 Jahren noch nie so wenig Schnee wie aktuell. Die pinke Linie zeigt den aktuellen Schneehöhenverlauf, die graue Linie das langjährige Mittel, die grau schattierte Fläche macht die Minimal- bzw. Maximalwerte für den jeweiligen Tag ersichtlich.
In den Sonnenhängen ist die Schneedecke oft nicht zusammenhängend oder es oft auch komplett aper. Im Bild ein Südwesthang am Speikboden im Ahrntal. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 25.12.2025).
Auch in der Höhe ist die Schneebedeckung sehr unterschiedlich. Lokal findet man auf Gletschern z.B. auch gute Bedingungen für Skitouren, wie hier am Übeltalferner in Ridnaun, vom Becherhaus aus gesehen. Den Gletscher zu erreichen ist aufgrund des wenigen Schnees mit den Skiern aber mühsam. (Foto: foto-webcam.eu, 07.01.2026).

Aktuell erreichen uns nur wenige Rückmeldungen und Informationen aus dem Gelände. Aus diesem Grund gilt es die Lawinengefahr vor Ort sehr genau zu bewerten.

Prognosen

Am Wochenende gibt es am Alpenhauptkamm noch weitere Schneefälle, viel Neuschnee ist leider nicht zu erwarten. Die Temperaturen bleiben weiterhin tief nähern sich aber normalen Werten für die Jahreszeit an. Damit bleiben die Triebschneepakete weiterhin störanfällig und stabilisieren sich nur langsam. Bis mindestens Mitte des Monats sind aus heutiger Sicht keine größeren Schneefälle zu erwarten.

Neuschneeprognose für das Pfitschertal auf etwa 2500 m Höhe. (Quelle: Geosphere Austria).

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