Geringe Lawinengefahr - Achtung vor Triebschnee in der Höhe
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Seit dem letzten Blogeintrag hat sich die Lawinensituation weiter entspannt. Die Schneedecke ist stark vom Wind beeinflusst und allgemein kleinräumig sehr unterschiedlich. Es liegt wenig Schnee und meist fehlt auch eine kompakte Basis: Damit geht beim Skifahren eine gewisse Gefahr von nur schwach eingeschneiten Blöcken und Felsen (Steinkontakt) aus. In Sonnenhängen liegt vielfach kaum Schnee und teilweise findet man dort auch eine Schmelzharschkruste an der Oberfläche. Die Skitourenmöglichkeiten sind stark eingeschränkt, die Bedingungen sind eher schlecht.
In windgeschützten Schattenhängen ist die Schneedecke oft komplett aufbauend umgewandelt, damit besteht die Schneedecke dort aus kantigen Kristallen. Teilweise ist die Schneedecke stark vom Wind bearbeitet. Im Bild die Nordhänge des Speikbodens im Ahrntal, im Hintergrund die Rieserfernergruppe. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 30.11.2025).In den Sonnenhängen liegt sehr wenig Schnee und die Schneedecke war um die Mittagszeit oberflächlich feucht. Blick vom Speikboden Richtung Westen, rechts die Gipfel des Zillertaler Alpenhauptkammes. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 30.11.2025). Gestern waren wir mit Bergführern im Schnalstal Gelände unterwegs, um gemeinsam Schneedeckenuntersuchungen durchzuführen und uns auszutauschen. Die Rückmeldungen der Südtiroler Bergführer:innen sind für uns eine sehr wichtige Informationsquelle. Auch hier liegt wenig Schnee und die Möglichkeiten für Skitouren sind eingegrenzt. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 04.12.2025)Im Bild die steilen weitestgehend aperen Sonnenhänge unterhalb der Grawand in Schnals. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 04.12.2025)Auch im Hochgebirge ist die Schneedecke nicht zusammenhängen, Steinkontakt kann eine Gefahr darstellen und Skitouren sind wie hier in Maseben in Langtaufers am Reschenpass kaum möglich (Foto: Josef Plangger, 29.11.2025)Auf der Sennes Hochebene kann man nur auf Forststraßen Skifahren, außerhalb der Straße fehlt der Untergrund und man steht häufig in den Steinen. (Foto: Max Willeit, 04.12.2025).
Triebschnee kann vereinzelt in sehr steilen Hängen im Hochgebirge ausgelöst werden. Die Gefahrenstellen befinden sich in Schattenhängen in Mulden, Rinnen und an Geländekanten. Ganz vereinzelt können Lawinen auch im schwachen Altschnee ausgelöst werden und mittlere Größe erreichen.
Am vergangenen Wochenende wurde hier ein ECT Test durchgeführt, dabei konnte beim 3. Schlag aus dem Handgelenk ein Bruch mit Fortpflanzung initiiert werden (ECTP3). Der Bruch erfolgte in der schwachen Basis aus kantigen Kristallen. Darüber findet man einen Krustensandwich mit wiederum kantigen Kristallen dazwischen. An der Oberfläche befindet sich weicher, lockerer weitestgehend aufbauend umgewandelter Schnee. Der Teststandort befindet sich in schattigem Gelände im Bereich der Schönalm am Speikboden. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 30.11.2025).Tiefenreif bzw. Becherkristalle von ca 5 mm Größe. Gefunden wurden sie bei einer Schneedeckenuntersuchung im schattigen Gelände in Sulden. (Foto: Giordano Faletti, 28.11.2025).
In den letzten Tagen wurde uns auch Oberflächenreif rückgemeldet, v.a. aus steilen schattigen Hängen in hohen Lagen und im Hochgebirge. Aktuell stellt das kein Problem dar, würde dieser Oberflächenreif aber durch Schneefälle eingeschneit, könnte er eine gefährliche Schwachschicht für Schneebrettlawinen darstellen.
Oberflächenreif aus einem schattigen Hang im Hochgebirge in Sulden. (Foto: Ludwig Gorfer, 03.12.2025).
Aussichten
Anfang nächste Woche wird es in der Höhe ausgesprochen mild, dies führt zur weiteren Verfestigung der Triebschneepakete. Laut den aktuellen Prognosen sind in nächster Zeit keine ergiebigen Schneefälle zu erwarten.
Neuschneeprognose für den Raum Ratschings auf 1962 m. (Quelle: Geosphere Austria).
Beobachtungen melden über SNOBS.LIVE
Noch haben wir eingeschränkte Informationen aus dem Gelände, deshalb muss die Lawinengefahr vor Ort besonders genau eingeschätzt werden.
Eure Beobachtungen können uns aber helfen die aktuelle Schnee- und Lawinensituation besser zu erfassen und somit auch die Qualität des Lawinenreports zu verbessern! Interessierte und motivierte Personen können sich auf der Seite SNOBS.LIVE kurz anmelden und uns danach Beobachtungen wie frische Lawinen, Oberflächenreif, Neuschneemengen, Alarmzeichen… ganz einfach melden. Auf der anderen Seite könnt ihr selbst auch die Rückmeldungen von anderen Personen aus dem Gelände für eure Tourenplanung nutzen.
Wir sind für jede Beobachtung aus dem Gelände dankbar 🙂
Am vergangenen Samstag, 1. November, hat sich am späten Nachmittag gegen 15:45 Uhr in der Nordwand der Vertainspitze ein tragischer Lawinenunfall ereignet bei dem fünf Bergsteiger:innen ums Leben kamen. Bei der Lawine handelte es sich um eine mittelgroße (Größe 2), trockene Schneebrettlawine; die Höchstquote des Anbruchs lag bei ca. 3460 m. Die Anbruchmächtigkeit wurde auf etwa 20 cm geschätzt, die maximale Steilheit im Anbruchgebiet liegt im Bereich von ca. 45°. Im Bild der großflächige Anbruch der Unfalllawine im obersten, schon weniger steilen Teil der Vertainspitze Nordwand. (Foto: Bergrettung Sulden, 01.11.2025) Es waren sieben Personen in der Wand unterwegs, zwei Zweiergruppen und eine Dreiergruppe. Eine der beiden Zweiergruppen befand sich bereits im obersten Wandteil, als sich plötzlich eine Lawine löste und die beiden Kletterer mit sich riss. Weiter unten in der Sturzbahn riss die Lawine noch die Dreierseilschaft mit in die Tiefe. Die andere Zweiergruppe hingegen...
Die Lawinensituation hat sich in den vergangenen Tagen immer weiter verbessert, Gefahrenstellen sind selten. Es gilt einen gewissen Tagesgang der Lawinengefahr aufgrund des Nassschneeproblems zu beachten, außerdem hat auffrischender Wind lokal zu frischem Triebschnee geführt. Ab kommenden Montag wird das Wetter wechselhaft mit etwas Neuschnee. Mitte der letzten Woche hat es in den zentralen und östlichen Landesteilen mit Schneeschauern teilweise einiges an Neuschnee gegeben. Schauerartige Niederschläge sind typisch für die warme Jahreszeit, der wir uns immer weiter nähern, typisch ist aber auch, dass die Niederschläge lokal sehr unterschiedlich ausfallen können. Schneehöhenverlauf an verschiedenen Stationen. Mitte der letzten Woche (26.02) gab es an allen Stationen etwas Neuschnee, an den Rossbänken in Ulten (rot) und auf der Merbalm im Ahrntal (grün) nur wenige Zentimeter, mehr geschneit hat es in den Dolomiten. Noch größere Unterschiede in den Neuschneemengen gab es dan...
Wie jedes Jahr stellen wir am Ende des hydrologischen Jahres (1. Oktober bis 30. September) unseren Rückblick vom vergangenen Winter online. Auf 50 Seiten wird dabei im Detail auf die Schnee- und Lawinensituation des Winter 2024/25 eingegangen, außerdem werden die Lawinenunfälle analysiert. Alle Rückblicke sind hier verfügbar. Viel Spaß beim Lesen! Erste Seite des Avalanche Reports 2024/25. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 23.02.2025) Im Detail wird auf die verschiedenen Monate eingegangen. Grafiken und Bilder helfen, die Situation zu veranschaulichen. Im dritten Kapitel werden alle uns bekannten 13 Unfälle der Saison 2024/25 analysiert.