Der Lawinenwarndienst verfügt aktuell nur über wenige Rückmeldungen aus dem Gelände, weshalb die Lawinengefahr vor Ort besonders gründlich überprüft werden sollte.
Nach einem Wochenende, an dem noch Frühjahrsskitouren möglich waren, brachte in dieser Woche eine Südanströmung in der Höhe Schneefall in Form von Schauern: Die Schneefallgrenze und die Menge des gefallenen Neuschnees waren, wie es typisch für den Frühling ist recht unterschiedlich.
Daten der Station Madritsch auf 2825 m. In den letzten Tagen lag die Lufttemperatur in der Nacht nahe der Taupunkttemperatur, was auf eine stark bewölkte Nacht hindeutet. In den vergangenen vier Tagen hat es an der Station immer wieder Niederschläge gegeben, die Schneehöhe ist aufgrund des feuchten Schneefalls aber verhältnismäßig wenig angestigen. An der Station liegt derzeit etwas mehr als 1 m Schnee, der höchste in diesem Winter gemessene Wert war 1,25 m Mitte April, was auf einen Winter mit unterdurchschnittlicher Schneedecke hindeutet.
Aktuell muss man dort, wo es am meisten geschneit hat, auf die meist kleinen Triebschneeansammlungen achten, die Gefahrenstellen nehmen mit der Höhe zu. Der Triebschnee kann sich aufgrund der milden Temperaturen aber schnell stabilisieren. In den Gebieten mit mehr Neuschnee sind bei Sonneneinstrahlung und mit Erwärmung Lockerschneelawinen aus dem Neuschnee zu erwarten.
Die Nächte waren diese Woche stets bewölkt, so dass die Schneedecke nicht wiedergefrieren konnte und sich kein tragfähiger Schmelzharschdeckel bilden konnte. Die Bedingungen für Skitouren sind aufgrund der meteorologischen Verhältnisse derzeit nicht ideal.
Wir empfehlen eine stabile Wetterphase mit klaren Nächten abzuwarten, um wieder eine typische Frühjahrssituation vorzufinden. In einer klaren Nacht gefriert die Schneeoberfläche tragfähig und die Bedingungen sind am Morgen günstig; im Tagesverlauf steigt die Lawinengefahr aufgrund des Nassschneeproblems an: eine gute zeitliche Planung der Tour unter Berücksichtigung der Exposition, Neigung und Höhe des Geländes ist notwendig.
Eine gute Abstrahlung führt zu einer tragfähigen Schneeoberfläche und günstigen Bedingungen am Morgen. Hier ein Bild vom Aufstieg auf den Zebru in Sulden. (Foto: Martin Abler, 01.05.2025)Bei rechtzeitiger Abfahrt konnte je nach Exposition, Neigung und Höhe schöner Firn genossen werden. Im Bild schönes Skigelände unterhalb der Nordwand der Königspitze in Sulden. (Foto: Martin Abler, 01.05.2025)Blick Richtung Napfspitze (3144 m) und Rauchkofel (3251 m) in den Zillertaler Alpen von der Albrechspitz (3083 m) in der Durreckgruppe. Die Schneedecke ist im sonnenexponierten Gelände in hohen Lagen nur mehr teilweise zusammenhängend. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 02.05.2025)Blick vom gleichen Gipfel (Albrechspitz) Richtung Süden in die Rieserfernergruppe. Im nordexponierten Gelände liegt klarerweise noch deutlich mehr Schnee und die zusammenhängende Schneedecke beginnt zw. 2300 und 2500 m. In Bildmitte der Hochgall (3436 m), rechts daneben Magerstein (3273 m) und Schneebiger Nock (3358 m). (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 02.05.2025)
Viele Lawinenstriche haben sich in letzter Zeit entladen. Es gilt besonders in nicht entladenen Einzugsgebieten aufmerksam zu sein, am kritischsten ist nach Norden exponiertes Steilgelände in der Höhe, das in nächster Zeit von der ersten Durchfeuchtung der Schneedecke betroffen sein wird. Hier sind weiterhin sehr vereinzelt spontane nasse Lawinen möglich.
Spontane große Schneebrettlawine am Inneren Bärenbartkogel (3553 m) in Langtaufers am Reschen. Diese Lawine ging gegen 11 Uhr Vormittags auf dem nordwestexponierten Gletscher auf ca. 3500 m ab. Grund dafür war mit großer Wahrscheinlichkeit die fortschreitende Durchnässung der Schneedecke im hochalpinen, schattigen Gelände mit den milden Temperaturen und der Sonnenstrahlung. (Josef Plangger, 02.05.2025)Im Gelände trifft man häufig auf Ablagerungen von älteren Lawinen. Die Aufnahme entstand im Knuttental in Rein in Taufers. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 02.05.2025)So beginnen und enden mittlerweile die meisten Touren. Die Strecken zwischen Parkplatz und zusammenhängender Schneedecke werden teiweilse mit dem Rad zurückgelegt. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 02.05.2025)Das wechselhafte Wetter spiegelt sich auch in den aktuellen Webcam Bildern wider. Der Peitlerkofel liegt in Wolken und es gab etwas Neuschnee, die Luft ist feucht. (Foto: www.sanvigilio.com, 08.05.2025)Auch in Langtaufers hat es auf den Bergen etwas Neuschnee gegeben. Die Tallagen sind schon grün. (Foto: https://www.foto-webcam.eu/webcam/graun , 08.05.2025)Im Ahrntal sieht man ein paar blaue Flecken am Himmel, auch hier hat es in hohen Lagen etwas Neuschnee gegeben. (Foto: www.ahrntal.com, 08.05.2025)
Ausblick
Auch in den nächsten Tagen ist kein stabiles Wetter mit klaren Nächten in Sicht. Damit bleiben auch die Verhältnisse für Touren im Schnee wechselhaft und nicht ideal.
In dieser Grafik sieht man zum einen den Temperaturtrend für Bozen auf ca. 1500 m Höhe und zum anderen den Trend des Niederschlages. Je enger die Linien beieinander liegen, desto sicherer ist die Vorhersage. Laut den aktuellen Modellberechnungen steigen die Temperaturen in der Höhe zunächst noch etwas an, danach gehen sie ab Anfang/Mitte nächster Woche wieder etwas zurück, wobei die Unsicherheit der Prognose zunimmt. Beim Niederschlag ist keine stabile Phase in Sicht, auch in nächster Zeit ist mit Regenschauer und nur in der Höhe Schneeschauern zu rechnen. (Quelle: www.wetterzentrale.de)
Am vergangenen Samstag, 1. November, hat sich am späten Nachmittag gegen 15:45 Uhr in der Nordwand der Vertainspitze ein tragischer Lawinenunfall ereignet bei dem fünf Bergsteiger:innen ums Leben kamen. Bei der Lawine handelte es sich um eine mittelgroße (Größe 2), trockene Schneebrettlawine; die Höchstquote des Anbruchs lag bei ca. 3460 m. Die Anbruchmächtigkeit wurde auf etwa 20 cm geschätzt, die maximale Steilheit im Anbruchgebiet liegt im Bereich von ca. 45°. Im Bild der großflächige Anbruch der Unfalllawine im obersten, schon weniger steilen Teil der Vertainspitze Nordwand. (Foto: Bergrettung Sulden, 01.11.2025) Es waren sieben Personen in der Wand unterwegs, zwei Zweiergruppen und eine Dreiergruppe. Eine der beiden Zweiergruppen befand sich bereits im obersten Wandteil, als sich plötzlich eine Lawine löste und die beiden Kletterer mit sich riss. Weiter unten in der Sturzbahn riss die Lawine noch die Dreierseilschaft mit in die Tiefe. Die andere Zweiergruppe hingegen...
Wie jedes Jahr stellen wir am Ende des hydrologischen Jahres (1. Oktober bis 30. September) unseren Rückblick vom vergangenen Winter online. Auf 50 Seiten wird dabei im Detail auf die Schnee- und Lawinensituation des Winter 2024/25 eingegangen, außerdem werden die Lawinenunfälle analysiert. Alle Rückblicke sind hier verfügbar. Viel Spaß beim Lesen! Erste Seite des Avalanche Reports 2024/25. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 23.02.2025) Im Detail wird auf die verschiedenen Monate eingegangen. Grafiken und Bilder helfen, die Situation zu veranschaulichen. Im dritten Kapitel werden alle uns bekannten 13 Unfälle der Saison 2024/25 analysiert.
Mit einer feuchten, südlichen Höhenströmung fällt morgen oberhalb von etwa 1900-2300 m Schnee. Besonders in den Gebieten mit mehr Neuschnee gilt es in den Tagen darauf die Lawinengefahr zu beachten! In den vergangenen zwei Wochen hat es mit teils unbeständigem Wetter auf den Bergen immer wieder etwas Neuschnee gegeben. Während die meisten automatischen Schneemessstationen schon ausgeapert sind zeigen die wenigen höher gelegenen Stationen diese Schneefälle noch an, insgesamt haben wir aber nur mehr wenig Daten zur Schneedecke zur Verfügung. An der Station Madritsch in Sulden auf 2825 m sieht man am Schneehöhenverlauf (pinke Linie ganz oben), dass es immer wieder Schneefälle gegeben hat. Die Schneeschmelze hat hier aber noch nicht wirklich eingesetzt (tiefe Temperaturen und Wolken haben die Schmelze eingeschränkt). In den vergangenen Tagen war teilweise auch der Nordwestwind stark und hat Schnee verfrachtet. Aktuell kann man im Hochgebirge von durchaus winterlichen Ve...