Aktuell Frühjahrsituation auf unseren Bergen - Analyse der Lawinenunfälle am Flimjoch (Ulten) und am Inneren Nockenkopf (Rojen)
Kurzer Rückblick und aktuelle Situation
Am vergangenen Wochenende hat eine zunächst östliche, dann allmählich auf Nord drehende Anströmung vor allem am Ortler und teilweise auch am Alpenhauptkamm (v.a. Ahrntaler Berge) Neuschnee gebracht. Lokal fielen 40 cm Schnee, so z.B. an der Station Madritsch auf 2825 m in Sulden.

Die Schneefälle wurden von teils stürmischem Wind aus nördlichen Richtungen begleitet. In den neuschneereichsten Gebieten wurde somit Gefahrenstufe 3 - erheblich erreicht, die Lawinenprobleme die dafür verantwortlich waren waren Triebschnee und Altschnee.
In der Folge führten die langsam steigenden Temperaturen und die Sonnenstrahlung zu einer allmählichen Verfestigung des Triebschnees. Mit heute erreicht die Nullgradgrenze aber fast die 3000 m Marke, damit muss man dem Nassschneeproblem immer mehr Beachtung schenken.
Momentan ist die Schneedecke im steilen südseitigen Gelände schon bis ins Hochgebirge zumindest oberflächlich angefeuchtet, im nordexponierten Gelände liegt das Niveau deutlich tiefer. Es herrscht aktuell eine typische Frühjahrssituation. Besonders morgen muss man mit einem Tagesgang der Lawinengefahr rechnen, mit einem Anstieg der Gefahr von Nassschneelawinen im Tagesverlauf aufgrund des Nassschneeproblems: es empfiehlt sich Touren früh zu starten und zu beenden. Am Sonntag schwächt sich das Nassschneeproblem mit dem Temperaturrückgang wieder ab.

Analyse des Lawinenunfalls am Flimjoch, Ulten - 30.03.2025
Eine Vierergruppe befand sich im Aufstieg Richtung Flimjoch im Ultental als sich oberhalb von ihnen eine Schneebrettlawine löste und zwei Personen mitriss. Eine Person wurde total verschüttet, die andere teilweise. Die Kameradenrettung funktionierte sehr gut und schnell da auch andere noch Anwesende zu Hilfe kamen: nach nur wenigen Minuten konnte die total verschüttete Person aus den Schneemassen befreit werden. Die Bergrettung hat die zwei Mitgerissenen zur Kontrolle ins Krankenhaus geflogen.

Analyse des Lawinenunfalls am Inneren Nockenkopf in Rojen am 1. April 2025
Am vergangenen Dienstag um die Mittagszeit kam es am 2768 m hohen Inneren Nockenkopf zu einem Lawinenunfall bei dem ein junger Mann von einer Lawine mitgerissen wurde. Er wurde nicht verschüttet und musste aber aufgrund seiner Verletzung vom Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. Es folgen Bilder mit den Details zum Schneedeckenaufbau der Lawine:




Wie geht es weiter?
Laut den aktuellen Prognosen fallen am östlichen Alpenhauptkamm am Wochenende ein paar Schneeflocken, sonst sind bis Monatsmitte keine nennenswerte Niederschläge in Sicht, es bleibt trocken. Nach dem vorübergehenden Temperaturrückgang am Sonntag steigen die Temperaturen in der neuen Woche wieder langsam an, damit rückt das Nasschneeproblem in der nächsten Woche wieder in den Vordergrund.
