Erheblicher Anstieg der Gefahr von Nassschneelawinen
Link abrufen
Facebook
X
Pinterest
E-Mail
Andere Apps
Nach einem Osterwochenende mit intensiven Schneefällen und großer Lawinengefahr (Stufe 4) in den Bergen, führt der starke Temperaturanstieg am kommenden Wochenende zu einem erheblichem Anstieg der Gefahr von Nassschneelawinen.
Ein Hochdruckgebiet zieht über das Land und garantiert sonnige Tage und außergewöhnlich hohe Temperaturen: Ab dem heutigen Freitag, dem 5. April, steigt die Nullgradgrenze über 3.000 m und erreicht im Laufe des Sonntags eine Höhe von 4.000 m.
Die hohe Nullgradgrenze führt zu einer starken Durchfeuchtung der Schneedecke, die Gefahr von Nassschnee- und Gleitschneelawinen steigt deutlich an.
Der Anstieg der Temperaturen hat die Stabilisierung der Triebschneeansammlungen in der Höhe zwar begünstigt und die Gefahr von trockenen Lawinen hat in den letzten Tagen deutlich abgenommen, Rückmeldungen von gestern (04. März) und heute bestätigen allerdings eine erhöhte Gefahr von Nassschneelawinen.
Zahlreiche nasse Lockerschneelawinen im Schnalstal.(Foto: David Spath, 04.04.2024)
Kurzer Rückblick
Am Mittwoch, den 27. März, erreichte uns das erste von mehreren Südstauereignissen: In den Hauptniederschlagsgebieten, sprich der Ortler-Cevedale und der Texel Gruppe, fielen in der Höhe bis zu 50 cm, im Rest des Landes bis zu 30 cm Neuschnee. Der starke bis stürmische Wind konnte den Neuschnee in großen Mengen verfrachten, wodurch Gefahrenstufe 3 - erheblich, an der Grenze zu Gefahrenstufe 4 - groß, erreicht wurde.
Schneehöhe an der Station Rossbänke (2255 m) im Ultental: Die starken Schneefälle vom 27.03-28.03 und 30.03-01.04 sind deutlich zu erkennen.Wie so oft bei Schneefällen im Frühling hatte der Neuschnee auch im Fischleintal auf 2700 m Höhe eine Schneeoberfläche aus Graupel eingeschneit. (Foto: Daniel Rogger, 30.03.2024)
Von Samstag, den 30. März, bis Montag, den 1. April, brachte ein erneutes Südstauereignis in den Bergen reichlich Neuschnee, lokal über 100 cm. Die starken Schneefälle wurden von starkem bis stürmischem Südwind begleitet. Die Schneefallgrenze während der Störung lag meist auf etwa 2000 m Höhe.
Niederschlagssummen in den 120 Stunden von Freitag, 29. März, 14 Uhr, bis Mittwoch, 3. April, 14 Uhr: Am meisten Niederschlag fiel zwischen Samstag, 30. März, Sonntag, 31. März, und Montag, 01. April.Die größten Niederschlagsmengen wurden in den typischen Südstaulagen, wie dem Ultental und dem Passeiertal, gemessen.Windgeschwindigkeiten, die an der Station Madritsch (2825 m), während des Niederschlagsereignisses, gemessen wurden.Der starke bis stürmische Wind begünstigte in der Höhe die Bildung von störanfälligen Triebschneepaketen. Am Samstag brachte die Störung Saharastaub in die Atmosphäre, der mit Einsetzen des Schneefalls auf der Schneeoberfläche abgelagert wurde.(Foto: Florian Leitner, Monte Cuzzo, 30.03.2024)Im Schneedeckenprofil in der Nähe des Sandjochs (Passeiertal) auf 2360 m erkennt man gut den auf der Schneeoberfläche abgelagerten Saharastaub (Foto: Lawinenwarndienst, 30.03.2024)Schneedeckenprofil in der Nähe der Grawand im Schnalstal.Gut zu erkennen ist die Schicht aus Saharastaub, die durch den Neuschnee am Ostersonntag und Montag eingeschneit wurde.(Foto: Ludwig Gorfer, 02.04.2024) Auch im Ultental wurde der Saharastaub durch die ergiebigen Schneefälle eingeschneit.(Foto: Lawinenwarndienst, 02.04.2024)
Für Montag, den 01. April, wurden in der Höhe große spontane Lawinen vorhergesagt, teilweise wurde Gefahrenstufe 4 - groß erreicht. Zugleich brachte die hohe Regengrenze vor allem im Bereich der Waldgrenze eine erhöhte Gefahr von Nassschneelawinen mit sich. Zahlreiche Rückmeldungen bestätigten sowohl das Abgehen von Nassschneelawinen, als auch von trockenen Schneebrettlawinen in der Höhe. Zum Teil sind Lawinen bis ins Tal vorgedrungen.
Gefahrenstufen für Montag, den 01. April.Nassschneelawine, die in Rabenstein in Passeier den Talboden erreichte.(Foto: Florian Lanthaler, 01.04.2024)Eine weitere Nassschneelawine hat bei Rein in Taufers fast den Talboden erreicht.(Foto: Lawinenwarndienst, 04.04.2024)Nassschneelawine in der Nähe der Scotoni-Hütte.(Foto: Forststation Stern Abtei, 02.04.2024)Winterlandschaft im Münstertal, man beachte die zahlreichen spontanen Lawinenabgänge auf der linken Seite des Fotos.(Foto: Josef Plangger, 02.04.2024)Schneebrettlawine in der Nähe der Brogles-Hütte.(Foto: Andreas Comploi, 02.04.2024)Große Lawine (Größe 3), die vom nachfolgendem Schneefall im Kirchbergtal, Ultental, wieder eingeschneit wurde.(Foto: Thomas Oberrauch, 02.04.2024)In Schattenhängen in der Höhe konnte man in der Rieserfernergruppe durchaus ein paar herrliche Schwünge im Pulver genießen.Mit dem starken Temperaturanstieg wird die Schneequalität deutlich abnehmen.(Foto: Lawinenwarndienst, 04.04.2024)
Am vergangenen Samstag, 1. November, hat sich am späten Nachmittag gegen 15:45 Uhr in der Nordwand der Vertainspitze ein tragischer Lawinenunfall ereignet bei dem fünf Bergsteiger:innen ums Leben kamen. Bei der Lawine handelte es sich um eine mittelgroße (Größe 2), trockene Schneebrettlawine; die Höchstquote des Anbruchs lag bei ca. 3460 m. Die Anbruchmächtigkeit wurde auf etwa 20 cm geschätzt, die maximale Steilheit im Anbruchgebiet liegt im Bereich von ca. 45°. Im Bild der großflächige Anbruch der Unfalllawine im obersten, schon weniger steilen Teil der Vertainspitze Nordwand. (Foto: Bergrettung Sulden, 01.11.2025) Es waren sieben Personen in der Wand unterwegs, zwei Zweiergruppen und eine Dreiergruppe. Eine der beiden Zweiergruppen befand sich bereits im obersten Wandteil, als sich plötzlich eine Lawine löste und die beiden Kletterer mit sich riss. Weiter unten in der Sturzbahn riss die Lawine noch die Dreierseilschaft mit in die Tiefe. Die andere Zweiergruppe hingegen...
Auf den Bergen Südtirols herrschen derzeit noch winterliche Verhältnisse. Vor allem in den nördlichen Gebieten oberhalb von ca. 1800 m liegt noch überdurchschnittlich viel Schnee. Neben dem Schnee des vergangenen Winters brachte auch das wechselhafte Wetter der letzten Woche immer wieder einige cm an Neuschnee. Die Niederschläge waren häufig konvektiver Art, wodurch sie lokal sehr unterschiedlich ausfielen. Zudem erhielten wir Rückmeldungen von eingelagertem Graupel, welcher typisch für konvektive Niederschläge ist. Am vergangenen Wochenende sorgte die Kombination aus einer Kaltfront und einem Adriatief vor allem in den östlichen Landesteilen für Niederschläge. Die Schneefallgrenze lag dabei um 1000 m. Aufsummierter Niederschlag vom 25.04.2019 bis zum 30.04.2019. Registrierter Nierschlag an der Station Rotwandwiesen (1910m) in Sexten. Hellblau markiert die gemessene Schneehöhe in cm (Skala links), dunkelblau den Niederschlag in mm (Skala rechts). Die rasche Setzu...
Am kommenden Wochenende erscheint der letzte Lawinenreport der Saison. Kein Lawinenreport bedeutet aber nicht keine Lawinengefahr. Informationen über die aktuelle Schnee- und Lawinenlage werden weiterhin im Blog veröffentlicht, insbesondere bei großen Änderungen. Aktuelle Schneehöhenverteilung in Südtirol. Während der Schnee in tiefen und mittleren Lagen großteils geschmolzen ist, liegt oberhalb von ca. 2400 m noch verbreitet 30 - 60 cm Schnee. Rückblick auf die vergangenen zwei Wochen Seit dem letzten Blog spielte sich wieder einiges in und auf der Schneedecke ab. Vor Ostern sorgte Hochdruckeinfluss für sehr milde Verhältnisse. Die Nullgradgrenze lag mehrere Tage über 3000 m. Dies führte dazu, dass die bis dahin weitgehend trockene Schneedecke an Nordhängen unterhalb von 2500 m das erste Mal durchfeuchtet wurde. In der Folge gingen mehrere Nassschneelawinen ab, meist aber nur kleine. Ost- und Westhänge waren dagegen bereits durchnässt, wodurch dort nur wenige Lawinen zu beo...