Erhöhte Nassschneeaktivität mit Wärme und Regen - in der Höhe vereinzelt schwacher Altschnee

Der Lawinenwarndienst hat derzeit wenig Informationen aus dem Gelände, weshalb die Lawinengefahr vor Ort besonders gründlich überprüft werden sollte!

Durch die aktuellen Wetterverhältnisse zieht sich die Schneedecke mit jedem Tag ein Stück weiter in die Höhe zurück und nimmt stetig an Mächtigkeit ab. Auch die kleineren Schneefälle tragen nur mehr wenig zur Schneehöhe bei, da sich der Neuschnee schnell setzt. 

Schneedecke unterhalb des Piz Chavalatsch - Sulden mit Blick Richtung Südosten. (Quelle: https://www.foto-webcam.eu/webcam/chavalatsch/)
Schneedecke unterhalb des Piz Chavalatsch - Sulden mit Blick Richtung Südosten. (Quelle: https://www.foto-webcam.eu/webcam/chavalatsch/) 

Messwerte an der Stutzenalm in Pfunders auf 2050 m zeigen die seit einem Monat stetig abnehmende Schneehöhe.
Messwerte an der Stutzenalm in Pfunders auf 2050 m zeigen die seit einem Monat stetig abnehmende Schneehöhe. 

Die Gefahr von trockenen Lawinen nimmt stetig ab. Der Neu- und Triebschnee von Anfang dieser Woche konnte sich in den letzten Tagen mit den milden Temperaturen und der intensiven Sonneneinstrahlung deutlich verfestigen. Trockene Lawinen sind nur mehr an sehr steilen Nordhängen im Hochgebirge möglich. Hier findet man vereinzelt auch noch störanfällige Schwachschichten im oberen Teil der Schneedecke. Solche Gefahrenstellen sind sehr selten, aber nur schwer zu erkennen. 



Nassschnee beachten - Markanter tageszeitlicher Anstieg der Lawinengefahr

Die größte Gefahr geht momentan von Nassschneelawinen aus, weshalb Touren rechtzeitig beendet werden sollten. Vor allem betroffen sind jene Hänge, die bisher noch trocken blieben, also Nordhänge zwischen 2500 - 3000 m. Hier wurden die bis dahin trockenen Schneeschichten in den vergangenen Tagen das erste Mal angefeuchtet und damit geschwächt.
Insbesondere dort wo bereits eine schwache Schneedecke vorzufinden war, wurden auch größere Lawinen beobachtet. 


Spontane Lawinen am Zwölfer in Rojen. Bekanntlich war in diesem Gebiet die Schneedecke stark kantig aufgebaut und dementsprechend konnte sich eine solch flächige Lawine lösen. (Foto: Martin Hohenegger, 03.05.2023)
Spontane Lawinen am Zwölfer in Rojen. Bekanntlich war in diesem Gebiet die Schneedecke stark kantig aufgebaut und dementsprechend konnte sich eine solch flächige Lawine lösen. (Foto: Martin Hohenegger, 03.05.2023)


Lawinenabgang unterhalb des Meisules da Biesces und unter dem westlichen Meisulsturm verlegten die Straße auf das Grödnerjoch. Die Lawine löste sich oberhalb der Felsen auf ca. 2300 - 2400 m und nahm im steilen felsdurchsetzten Gelände die durchnässte Schneedecke mit. Daraufhin wurde die Passstraße von der Lawinenkommission gesperrt. (Foto: Reinhard Senoner, 01.05.2023)
Lawinenabgang unterhalb des Meisules da Biesces und unter dem westlichen Meisulsturm verlegten die Straße auf das Grödnerjoch. Die Lawine löste sich oberhalb der Felsen auf ca. 2300 - 2400 m und nahm im steilen felsdurchsetzten Gelände die durchnässte Schneedecke mit. Daraufhin wurde die Passstraße von der Lawinenkommission gesperrt. (Foto: Reinhard Senoner, 01.05.2023) 


Dort wo die Schneedecke bereits isotherm bzw. durchnässt war, schritt die Durchfeuchtung in den letzten Tagen weiter an. Durch die nahezu frühsommerlichen Verhältnisse weicht der über Nacht gebildete Harschdeckel rasch auf und verliert an Festigkeit. Eine gute Zeitplanung ist somit wichtig. 


Tendenz

Am Wochenende gibt es unbeständiges Wetter. Vor allem in der zweiten Tageshälfte sind Schauer und Gewitter zu erwarten. Die Temperaturen und auch die Schneefallgrenze steigen an. Unter ca. 2800 m ist mit Regen zu rechnen. Darüber kann lokal bis zu 10 cm Neuschnee fallen. Mit Regen, milden Temperaturen und dem Strahlungseinfluss wird die Schneedecke bis ins Hochgebirge durchnässt uns somit geschwächt. Durch die teilweise reduzierte nächtliche Abstrahlung steigt die Gefahr von nassen Lawinen schneller an als am Vortag und ist besonders am Sonntag schon am Morgen erhöht.
Vorsicht vor allem an Nordhängen, die zuvor noch nicht durchfeuchtet wurden. Hier ist mit spontanen Lawinen zu rechnen. In den Gebieten mit viel Schnee können diese teilweise auch groß werden und in apere Bereiche vordringen. Auslaufbereiche sollten umbedingt berücksichtigt werden. 
Mitte nächster Woche sind erneute Niederschläge in Aussicht. 




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