Mit vergangenem Wochenende wurde die seit Mitte Februar andauernde Wärmperiode beendet und die rasche Schneeschmelze konnte dadurch zumindest gebietsweise etwas abgebremst werden. Während zu Beginn der vergangenen Woche (21.02.2023) die Nullgradgrenze noch auf 3000 m bzw. darüber lag, sank sie Anfang dieser Woche (27.02.2023) kurzzeitig auf unter 500 m ab.
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| Tägliche Abweichung der Temperatur im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt auf der 3105 m hohen Lengspitze im hinteren Ahrntal. (Stand 03.03.2023) |
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| Der Temperaturverlauf am Wilden Freiger (3399m). Während die Temperaturen am 22.02.2023 auch kurzzeitig bei 0 °C lagen, sanken sie am Sonntag, 26.02.2023 zeitweise unter - 20 °C. Seit 27.02.2023 stiegen die Temperaturen wieder kontinuierlich an. |
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| Die Beobachterdaten aus Rein in Taufers zeigen den markanten Rückgang der Schneehöhe seit Anfang Februar. An der Beobachterstation Pens im Sarntal wurde seit Beginn der Messungen noch nie so wenig Schnee aufgezeichnet. |
Verantwortlich für diesen enormen Temperatursturz war eine Kaltfront aus Norden. Diese brachte am Alpenhauptkamm in Summe zwischen 5 und 15 cm Neuschnee. Abseits vom Alpenhauptkamm fiel kein Niederschlag. Der Wind nahm am Sonntag überall deutlich zu und sorgte für zum Teil stürmische Verhältnisse auf den Bergen. Allerdings bildeten sich in den Gebieten mit Neuschnee in der Höhe nur kleine Triebschneeansammlungen. Meist liegen diese auf einer recht günstigen Altschneeoberfläche, die von Wind und Sonne geprägt war. Nur an windgeschützten Nordhängen, wo die Schneeoberfläche kantig aufgebaut und locker war, waren die Triebschneeansammlungen teils störanfällig. Lawinenabgänge wurden uns aber keine gemeldet.
Dort wo kein Niederschlag fiel, war die Schneedecke meist tragfähig gefroren und weichte nur selten auf.
Auch Auslösungen im Altschnee wurden uns seit über einer Woche keine mehr gemeldet. Weiterhin erhalten wir jedoch einzelne Meldungen über Schwachschichten und den kantigen Aufbau der bodennahen Schichten. Vielerorts fehlt jedoch das darüberliegende Schneebrett.
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| Schneedeckenuntersuchung im Gadertal unterhalb des La Crusc. Der Stabilitätstest zeigt, dass eine Bruchinitiierung und Ausbreitung in den kantig aufgebauten Schichten erfolgte. Hier gehts zum Profil auf Lawis: www.lawis.at/profile/ |
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| Neuschnee oberhalb der tragfähig gefrorenen Altschneedecke in Antholz. (Foto: Edmund Messner, 26.02.2023)
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| Geringe Schneehöhen südlich des Seekofels in Prags. Die Schneedecke ist zum Teil nicht mehr überall zusammenhängend. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 25.02.2023) |
Am Mittwoch kam Südtirol in den Einflussbereich eines Mittelmeertiefs, wodurch es in den südlichen Landesteilen leicht schneite. Im Raum Sexten und entlang der Grenze zu Trient und Veneto kamen bis zu 10 cm zusammen, abseits davon blieb es meist trocken. Da der Neuschnee auf eine günstige Altschneedecke fiel, hatte dies kaum einen Einfluss auf die Lawinengefahr.
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| Angezuckerte Geislergruppe in Villnöss mit Blick Richtung Mittagsscharte. (Foto: Lawinenwarndienst Südtirol, 02.03.2023) |
Ausblick
Am Wochenende wird es überwiegend sonnig und die Temperaturen steigen leicht an. Die Verhältnisse bleiben in ganz Südtirol günstig und ändern sich nicht wesentlich. Nur vereinzelt gibt es noch störanfällige Triebschneepakete, die in Schattenhängen oberhalb etwa 2600 m ausgelöst werden können. Diese sollten vor allem in sehr steilem Gelände gemieden werden. Die Anzahl der Gefahrenstellen für Auslösungen im Altschnee hat weiter abgenommen. Zudem sind mit der Sonneneinstrahlung und der leichten Erwärmung im Tagesverlauf vereinzelt aus sehr steilen Sonnenhängen feuchte Rutsche möglich, vor allem dort, wo es in den vergangenen Tagen etwas geschneit hat. Anfang nächster Woche dreht die Höhenströmung vorübergehend auf West und bringt feuchtere Luftmassen nach Südtirol. Stellenweise sind leichte Niederschläge möglich. Die genauen Mengen sich aber noch unsicher.